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Dürfen Deutsche Polen kritisieren?

Bożena Chołuj

Anlässlich der taz-Satire "Polens neue Kartoffel"

Im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung um die taz-satire ("Polens neue Kartoffel" von Peter Köhler) und die irrationale Reaktion der derzeitigen polnischen Regierung taucht erneut die Frage auf, ob Deutsche sinnvollerweise Polen kritisieren dürfen, sollten usw. Oder ob sich Deutsche nicht lieber "aus gutem Grund" zurückhalten sollten.

An diesem Punkt fühlen wir uns angesprochen, schließlich haben wir sowohl im Namen der DPG Brandenburg als auch im Namen des Journalistenclubs vor der "Gleichheitsparade" in Warschau unsere Solidarität und unseren Protest formuliert (nicht nur gegen schwulen- und lesbenfeindliche polnische Politiker, sondern auch gegen die geplante Verbannung zweier Ausstellungen aus dem Foyer des Collegium Polonicum) und diesen Protest so weit wir eben konnten, verbreitet.

Unserer Meinung nach geht es (wie meistens) nicht um die Deutschen und die Polen. Es geht auch nicht darum, dass sich die Deutschen ("die demokratisch Reiferen und Klügeren" = Paternalismus Kohlscher Prägung) zurückhalten. Es geht ganz im Gegenteil um transnationale Öffentlichkeit und transnationale Solidarität. Paternalismus in den deutsch-polnischen Beziehungen sollte der Vergangenheit angehören. Falls es jemand vergessen haben sollte, Polen ist inzwischen in der Europäischen Union.

Die Betroffenen wissen Solidarität zu schätzen, wie Sie dem folgenden Dankesbrief entnehmen können:

"Warschau, den 12.06.06
An die DGB Brandenburg
und den Deutsch-Polnischen Journalistenclub Pod Stereo-Typami

Sehr geehrte Frau Henning, sehr geehrte Herren Baranski, Fischer, Schröder und Twardochleb,

mit großer Freude und Dankbarkeit haben wir, die Initiatorinnen des Projekts Kulturelle Hegemonie , in dessen Rahmen die beiden z.Zt. umstrittenen Ausstellungen am Collegium Polonicum gezeigt werden, Ihren Protestbrief vom Mai 2006 gegen Demontage dieser Ausstellungen wahrgenommen. Diese Solidarität hatten wir wirklich nötig, denn wenn die hochschulinterne Demokratie(in diesem Fall der Adam-Mickiewicz-Universität) zu wünschen übrig lässt, sind Impulse von außen unabdingbar, um eine Diskussion in Gang zu halten. Durch Interventionen wie der Ihrigen und dem beherzten Eintreten für unser Anliegen seitens der Hochschulleitung der Viadrina können die Ausstellungen wahrscheinlich wie vorgesehen hängen bleiben, eine definitive Aussage gibt es dazu aus Posen aber immer noch nicht.

Die deutsch-polnischen Beziehungen, für deren positive Fortentwicklung wir uns alle engagieren, können an solchen Konflikten nur wachsen, denn sie verdeutlichen, dass Konfliktlinien nicht immer entlang von Oder und Neiße verlaufen, sondern quer durch die Gesellschaften mit grenzüberschreitenden Gemeinsamkeiten. Insofern kann Ihr zivilgesellschaftliches Engagement, welches sich in dem Aufruf zur Solidarität manifestiert hat, gar nicht hoch genug eingeschätzt werden und wir sind wirklich sehr froh, Sie an unserer Seite zu wissen. Dass die diesjährige Parade der Gleichheit in Warschau genehmigt wurde und ohne größere Zwischenfälle abgelaufen ist, kann sicherlich als jüngster Erfolg des Engagements einer kritischen transnationalen Öffentlichkeit gewertet werden.

Mit nochmaligem Dank und vielen herzlichen Grüssen
Ihre Bożena Chołuj"

siehe dazu "Polens neue Kartoffel" von Peter Köhler (taz vom 26.6.2006)