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Der Geschmack des Knüppels

Konrad Schuller

Polens Regierung und die Homosexuellen

Zur Parade der Gleichheit in Warschau am 10. Juni 2006

Auszüge aus einem Artikel von Konrad Schuller in der FAZ vom 18.5.06

... Als seine Partei noch in der Opposition war, ließ Giertych die von ihm gegründete „Allpolnische Jugend“ gelegentlich mit dem Ruf „Schwule ins Gas“ demonstrieren. Jetzt hat er angekündigt, er werde sich in seinem Regierungsamt vor allem der Beendigung „homosexueller Propaganda an den Schulen“ widmen. Sein Stellvertreter Wierzejski hat es dabei übernommen, Giertychs Ministerkollegen und der Öffentlichkeit die Gründe für diesen Schwerpunkt zu schildern. Homosexuelle, so stellt der Abgeordnete fest, „sind oft Kinderschänder oder Geheimdienstagenten“. Schon zu kommunistischen Zeiten hätten sie sich als „Spitzel, Zuträger und Denunzianten“ hervorgetan. Deshalb empfehle er dringend das „Verbot ihrer Organisationen“.

Wierzejski reagiert mit diesen Darlegungen auf eine Fülle von Unmutsäußerungen, mit denen die polnische Gesellschaft die Ernennung Roman Giertychs zum Erziehungsminister aufgenommen hatte. ... Tausende von Studenten (hatten) gegen ihn demonstriert ... Auch der Lehrerverband ZNP protestierte ... Zuletzt trafen im Amt des Ministerpräsidenten die Namen von 60.000 Internet-Nutzern ein, die sich einem Aufruf zum Protest gegen Giertych angeschlossen hatten. ...

Der nächste Höhepunkt des Protests wird für den 10. Juni erwartet. Für diesen Tag haben mehrere Schwulenorganisationen abermals jene „Parade der Gleichheit“ angemeldet, die der heutige Staatspräsident Lech Kaczyński in seiner damaligen Eigenschaft als Bürgermeister von Warschau in den vergangenen Jahren mehrmals verboten hat. ...

Auch in diesem Jahr haben sich zu dem Umzug politische Unterstützer aus dem Ausland angemeldet, u.a. die deutsche Grünen-Vorsitzende Claudia Roth und der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck. Giertychs LPR sieht dem Auftauchen der Deutschen in Warschau gelassen entgegen: „Das sind keine wichtigen Politiker, das sind nur Schwule“, sagt der Briefautor Wierzejski. „Wenn die einmal den Knüppel zu schmecken bekommen, werden sie nicht wiederkommen. Der Schwule nämlich ist von der Definition her feige.“