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Gorzów ehrt verstorbene Landsberger

Dariusz Barański

Feierlichkeiten zum Tag der Erinnerung und Versöhnung. Im Ossarium auf dem kommunalen Friedhof fanden die verstorbenen ehemaligen Landsberger eine neue Ruhestätte, nachdem ihre Gebeine während der Bauarbeiten an einer neuen Straße durch den Kopernikuspark exhumiert worden waren.

Bereits seit Jahren wird am 30. Januar in Górzow nicht mehr der „Befreiung” der Stadt gedacht, sondern es geht vor allem um die Erinnerung an die Vergangenheit und um Versöhnung zwischen den ehemaligen und heutigen Stadtbewohnern. In diesem Jahr standen zwei herausragende Persönlichkeiten des alten Landsberg im Zentrum der Feierlichkeiten: der erfolgreiche Industrielle Johann Gottlieb Hermann Paucksch und die in Landsberg geborene Marie Juchacz, die sich für politische Rechte und die Verbesserung der sozialen Lage der Armen, Frauen und Arbeiter eingesetzt hatte. Die Feierlichkeiten begannen im Speicher-Museum mit der Eröffnung einer Ausstellung über Marie Juchacz. Sie war als erste Frau Mitglied des Reichstags sowie Mitbegründerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) – eine Sozialhilfeorganisation, die heute zu den wichtigsten in Deutschland gehört. „Diese Frau war von großer Bedeutung für die Emanzipation der Frauen, für soziale Gerechtigkeit, für Kinder- und Familienhilfe. In letzter Zeit interessiert man sich zunehmend mehr für sie”, sagte der derzeitige AWO-Vorsitzende Wilhelm Schmidt. „Diese Ausstellung wird zum ersten Mal in Polen gezeigt. Um so mehr freue ich mich, dass dies gerade in ihrer Heimatstadt geschieht.“ Das Sozialhilfeheim Nr. 1 in Gorzów wird nun den Namen von Marie Juchacz tragen. Das ist die erste Einrichtung der Stadt, die offiziell nach einer verdienten ehemaligen Landsbergerin benannt wird. Bei einem anderen Landsberger, Johann Gottlieb Hermann Paucksch, ist dies zwar offiziell nicht der Fall, wohl aber in der Alltagssprache. Denn nach ihm benennt man das Wahrzeichen der Stadt, den Brunnen am Altmarkt. Auch an ihn wurde gestern erinnert. In einem von Birken bewachsenen neuen Quartier des Kommunalfriedhofs hatte die Stadtverwaltung ein Ossarium errichtet, eine Ruhestätte für die auf dem alten evangelischen Friedhof (heute Kopernikuspark) bestatteten und exhumierten Verstorbenen. Zwei Gedenksteine erinnern an alle Verstorbenen, die auf dem alten evangelischen Friedhof begraben waren und eben an den Handelsrat Paucksch. Denn nur seine Grabstätte wurde während der Exhumierung vor dem Straßenbau auf dem Parkgelände identifiziert. Für die ehemaligen Landsberger war die Einweihung des Ossariums, in dem jetzt die zweitausendsiebenhundert vor 1945 bestatteten Stadteinwohner ruhen, ein ungemein wichtiges Ereignis. „Wir Lebenden haben versucht, zwischen den früheren und heutigen Einwohnern der Stadt eine enge Verbindung her zu stellen, was meines Erachtens gelungen ist. Durch die Umbettung schaffen wir jetzt eine Verbindung zwischen unseren Toten. Wir haben gemeinsame Wurzeln”, sagte Ursula Hasse-Dresing, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Landsberg an der Warthe. Sie erinnerte daran, dass die ehemaligen Landsberger anfangs über die Pläne zum Straßenbau auf dem ehemaligen Friedhof bestürzt gewesen seien. „Bereits der Gedanke schmerzte uns, dass auf den Gebeinen unserer Ahnen Kinder spielen und Leute spazieren gehen. Und nun sollten dort auch noch Autos entlang fahren. Aber wir sind dankbar für das uns entgegengebrachte große Vertrauen, dafür dass wir über die Pläne informiert und auch nach unserer Meinung gefragt wurden. Letztendlich sind wir zu der Auffassung gekommen, dass wir nicht Pläne bekämpfen können, die den Einwohnern und der Entwicklung der Stadt dienen”, so Ursula Hasse-Dresing. Der evangelische Pfarrer Miroslaw Wola erinnerte an die Toten: „Hier liegen diejenigen, die Stadtgeschichte geschrieben haben; reiche Menschen wie Paucksch, ein Beispiel für protestantisches Arbeitsethos, und arme Menschen; Erwachsene und Kinder, Einwohner der Stadt, namenlose Opfer beider Kriege, verschiedener Konfessionen und Völker; auch die Nach kriegs ein wohner von Gorzów, die hier bis 1947 und sogar noch später bestattet wurden”. Wolfhart Paucksch, Nachkomme des Ehrenbürgers von Gorzów, konnte endlich einen Kranz auf dem Grab seines Ururgroßvaters niederlegen. Über das Arbeitsethos seines Urahnen sagte er: „Sein Sohn Hermann fragte ihn, worin sein Erfolg begründet liege. Und er antwortete: in meinen zehn gesunden Fingern, im Kapital von drei Mark, in meiner Aufgeschlossenheit und großen Ausdauer.”

Gazeta Wyborcza, Zielona Góra Nr. 26, 31.01.2007