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Tag der Erinnerung und Versöhnung

Dariusz Barański

Zum Besuch der ehemaligen Landsberger

Die feierliche Umbettung der verstorbenen ehemaligen Landsberger, die während der Exhumierungsarbeiten im Kopernikuspark geborgen wurden, ist das wichtigste Ereignis des diesjährigen Tags der Erinnerung und Versöhnung.

Der Tag, an dem die Rote Armee Landsberg eingenommen hat (30. Januar 1945), wird in Gorzów seit zwölf Jahren als Tag der Erinnerung und Versöhnung gefeiert. Jedes Jahr nehmen Mitglieder der Bundesarbeitsgemeinschaft Landsberg, die sich mit Vertretern der Stadtverwaltung treffen, an den Feierlichkeiten teil. Es gehört schon zur Tradition, an zwei Denkmälern Blumen nieder zu legen: am Gedenkstein im Kopernikuspark, also am Ort des ehemaligen evangelischen Friedhofs, und auf dem Militärfriedhof in der Walczak-Straße. Während des Straßenbaus im Kopernikuspark wurden die dort früher bestatteten Einwohner von Landsberg exhumiert. Heute um 12 Uhr 30 werden sie in ein gemeinsames Grab auf dem Kommunalfriedhof umgebettet. In Zukunft soll auch im Kopernikuspark ein Ossarium zur Erinnerung an den früheren evangelischen Friedhof entstehen.

Die Feierlichkeiten zum Tag der Erinnerung und Versöhnung begannen in Wirklichkeit bereits gestern. Das Sozialhilfeheim in der Podmiejska- / Ecke Boczna-Straße wurde feierlich nach Marie Juchacz benannt, einer deutschen Sozialreformerin. Zum ersten Mal wird damit eine öffentliche Einrichtung in Gorzów offiziell den Namen einer herausragenden Persönlichkeit aus dem deutschen Landsberg tragen.

Marie Juchacz, eine der berühmtesten Sozialreformerinnen in Deutschland, wurde am 15. März 1879 in Landsberg geboren. Sie war Mitbegründerin der Arbeiterwohlfahrt und in den Jahren 1919–1933 ihre Vorsitzende. 1917 übertrug ihr Friedrich Ebert das Frauensekretariat im SPD-Vorstand. Marie Juchacz gilt als eine der ersten, die sich in Deutschland für das Wahlrecht für Frauen einsetzte. Sie war eine der drei ersten Frauen, die zum Reichstag gewählt wurden, und überhaupt die erste Frau, die eine Rede vor dem deutschen Parlament hielt. Als Abgeordnete der Weimarer Nationalversammlung und später als Mitglied des Reichstags widmete sie sich vor allem den Rechten und der sozialen Situation der Frauen. 1933 emigrierte sie in die USA. 1949 kam sie nach Deutschland zurück. 1956 starb sie. Das von ihr errichtete Netz der Arbeiterwohlfahrt existiert bis heute und ist eine der wichtigsten Organisationen in Deutschland.

Im Stadtmuseum wird um 10 Uhr eine ihrer Tätigkeit gewidmete Ausstellung eröffnet. Dann folgt die Blumenniederlegung im Kopernikuspark und auf dem Militärfriedhof, an der sich die Vertreter der Stadtverwaltung und die ehemaligen Landsberger beteiligen. Genau am Mittag werden sie gemeinsam mit dem Stadtpräsidenten die Friedensglocke läuten lassen. Der 30. Januar ist einer der wenigen Tage im Jahr, an dem man die Friedensglocke läuten hören kann.

Die deutschen Gäste treffen sich mit den Vertretern der Stadtverwaltung und den Einwohnern von Gorzów noch einmal gegen 14 Uhr auf der Hauptpost, wo eine Sonderbriefmarke präsentiert wird. Der Stadtpräsident und die Vorsitzende der BAG werden sogar Ersttagspostkarten mit symbolischen Wünschen an heutige Einwohner von Gorzów und ehemalige Landsberger verschicken.

Zum Abschluss der Feierlichkeiten treffen sich ehemalige Landsberger und heutige Einwohner von Gorzów im Hotel „Mieszko”, wo um 14 Uhr 30 der Film „Die Friedensglocke” von Romuald Liszko gezeigt wird.

Gazeta Wyborcza, Zielona Góra Nr. 25, 30.01.2007

Aus dem Polnischen: Ewa Czerwiakowski / Ruth Henning

Originalartikel "Dzień Pamięci i Pojednania" bei Transodra online