Tadeusz Mazowiecki ist tot

Tadeusz Mazowiecki

Tadeusz Mazowiecki, der erste nicht-kommunistische Premierminister Polens seit dem Zweiten Weltkrieg, ist am Morgen des 28. Oktober 2013 in Warschau gestorben. „Tadeusz Mazowiecki war einer der Väter der Freiheit und Unabhängigkeit Polens“, schrieb der polnische Außenminister Radosław Sikorski über den ersten Premier der Dritten Republik. Mazowiecki engagierte sich seit den 1960er Jahren als Publizist und katholischer Intellektueller für den Wandel des Landes – er war Mitbegründer des Klubs der katholischen Intelligenz (KIK) und Herausgeber der Zeitschrift Więź. Nach den ersten halbfreien Wahlen in Polen, die nach den Gesprächen am Runden Tisch, an denen er für die Opposition teilnahm, erreicht worden waren, wählte ihn der Sejm im August 1989 zum Regierungschef. Unter seiner Regierung konnte die Demokratie gefestigt und die freie Marktwirtschaft eingeführt werden. Auch die deutsch-polnische Versöhnung lag Mazowiecki sehr am Herzen. Als Katholik engagierte er sich viele Jahre im deutsch-polnischen Dialog. Im November 1989 nahm er mit dem damaligen Kanzler der Bundesrepublik Helmut Kohl an einer Messe im niederschlesischen Krzyżowa (Kreisau) teil, nach der es zu der symbolträchtigen Umarmung der beiden Politiker kam. Für seinen Beitrag bei der Überwindung der europäischen Teilung erhielt Mazowiecki 2000 das Bundesverdienstkreuz. Zuletzt war Tadeusz Mazowiecki als Berater für den polnischen Präsidenten Bronisław Komorowski tätig. „Ein Mensch, der in den für Polen entscheidenden Augenblicken den Mut hatte, klug zu handeln, ist von uns gegangen“, ließ das Präsidialamt nach dem Tod des 86-Jährigen verlautbaren.